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Inhalte

Ziel

Aus dem Selbstverständnis des Lehrstuhls für Sportmedizin und Gesundheitsförderung leitet sich folgendes Ziel für miteinander verschränkte Forschung und Lehre ab:

Unter dem Vorzeichen Menschsein dürfen sollen Sportmedizin und Gesundheitsförderung in den Dienst der theoretischen Begründung und anwendungsorientierten (Weiter-) Entwicklung einer dem Menschen gerecht werdenden gesunden Lebensführung genommen werden.

Forschungsinhalte

Die Forschungsinhalte knüpfen an die verschiedenen Ebenen des Forschungszugangs zur Gesundheitsförderung an. Sie sind in der nachfolgenden Graphik dargestellt.

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Der traditionelle sportmedizinische Zugang greift auf medizinisch-diagnostische Methoden zurück oder entwickelt diese. Dieser Zugang ist empirisch und arbeitet weitestgehend mit quantitativen Methoden. Die dominante 3. Person-Perspektive soll eine weitgehende Objektivierung zur Folge haben. Sie ist Teil der seit den 1990er Jahren mit dem Begriff der Evidenzbasierten Medizin (EBM) bezeichneten (sport-) medizinischen Forschung. Diese Forschung folgt hauptsächlich dem pathogenetischen Paradigma.

Ziel dabei ist entweder die Methodenentwicklung selbst oder die forschungsgerechte Anwendung etablierter Methoden beispielsweise im Rahmen von Querschnittsstudien oder Interventionsstudien. Die diesbezüglichen diagnostischen Methoden kommen in der Abkürzung ANNIH zum Ausdruck:

               Autonomic
               Nervous System,
               Nociception,
               Inflammatory Regulation,
               Heart and Vessels.

ANNIH steht für die physiologischen Zugänge bzw. Perspektiven der Forschung. Als ANNIH-Lab (Lab: Laboratory) wird die Struktureinheit "Abteilung" des Lehrstuhls bezeichnet, die die Ressourcen für Forschung und Lehre ermöglicht. ANNIH-Exercise kennzeichnet das inhaltliche Ziel der Bemühungen des ANNIH-Labs: Unter körperlicher Belastung und im Rahmen von Interventionsstudien ANNIH diagnostisch zu erfassen. Das ANNIH-Lab dient also in seiner Funktion als Abteilung des Lehrstuhls dem inhaltlichen Ziel, den Einfluss von "Exercise" auf ANNIH zu untersuchen - gemäß dem Selbstverständnis von Sportmedizin bei gesunden und kranken Menschen beiderlei Geschlechts und jeglichen Alters. Unter "Exercise" wird dabei sowohl die körperliche Belastung als auch das körperliche Training verstanden. Im erweiterten Sinne der Übung können darunter allerdings auch andere Arten der Intervention fallen.

Die Ergebniserwartungen sind

a) die Entwicklung und Anwendung von diagnostischen Methoden größtmöglicher Testgüte

b) der Wirksamkeitsnachweis von Interventionen und

c) Beiträge zur i.S. der EBM begründeten Gesundheitsberatung in der Gesundheitsförderung.


Die Zielgruppen sind grundsätzlich sehr weit gefasst und in Anlehnung an das Selbstverständnis der Sportmedizin gesunde und kranke Menschen jeglichen Alters und beiderlei Geschlechts. Die konkreten Rahmenbedingungen, Zielgruppen und Zielstellungen ergeben sich jedoch aus den jeweiligen Projekten und die Expertise der jeweiligen Projektleiter bzw. -gruppen.

Ein Eindruck von der Entwicklung der Inhalte und Personen ergibt sich aus den Projektbeschreibungen, Publikationen in Fachzeitschriften, Kongressbeiträgen und akademischen Qualifikationsarbeiten, insbesondere den Dissertationen und Habilitationsschriften.

Ein erster Entwurf eines interdisziplinär angelegten Gesundheitsmodells ist nachlesbar in "H.M. Rieger: Gesundheit als Kraft zum Menschsein. Zeitschrift für evangelische Ethik, Jg. 52, Heft 03/2008, S. 183-188" und folgendem Link: http://www.uni-jena.de/Diskussion.html. Diese Interdisziplinarität mit dem vorgenannten Autor hat sich gerade auch in gemeinsamen Forschungsseminaren seit 2006 bewährt. Daher trägt der nachfolgende Forschungsansatz wesentlich auch seine Handschrift.

Der Begriff Gesundheit markiert das Zentrum medizinisch-wissenschaftlichen Handelns und Forschens. Es geht dabei nicht nur um eine deskriptiv-objektive Erfassung, der Gesundheitsbegriff ist vielmehr zugleich ein normativ-praktischer Begriff. Gesundheit ist ein hohes Gut, das Menschen erstreben; Gesundheit ist soziale Norm, insofern sie über unsere Leistungsfähigkeit in der Gesellschaft entscheidet. Das Verständnis von Gesundheit hat bedeutenden Einfluss darauf, welche Mittel für ihre Wiederherstellung, für ihren Erhalt und ihre Förderung als angemessen angesehen werden.

Für den Zugang zu dem, was Gesundheit heißt, ist es erforderlich, dass naturwissenschaftliche und medizinische Thematisierung auf der einen Seite und anthropologische und ethische Thematisierung auf der anderen Seite verbunden werden. Was wir unter Gesundheit verstehen, hängt mit unserer Auffassung vom Menschen zusammen und es bestimmt mit, wie wir uns als Menschen verhalten. Umgekehrt hat unsere Auffassung, wie wir als Menschen leben und woran wir uns in unserem Verhalten orientieren wollen bzw. sollen, bedeutenden Einfluss sowohl auf den Erhalt und die Förderung von Gesundheit als auch auf den Umgang mit Widerfahrnissen (Stressoren) und funktionalen Einschränkungen. Lebensorientierung und Lebensführung können Einfluss haben als Vulnerabilitätsdispositionen und als gesundheitsbezogene Schutz- und Bewältigungsdispositionen. Damit einher geht die notwendige Verhältnisbestimmung von Gesundheit und Krankheit, von gesundem Menschsein und krankem Menschsein.

Im Zusammenhang von Lebensführung und Gesundheit wird Gesundheitsförderung in interdisziplinärer und transdisziplinärer Weise bearbeitet, indem es Brücken herstellt zwischen an sich selbstständig arbeitenden Disziplinen, zwischen empirisch-medizinischer Thematisierung und anthropologisch-ethischer Thematisierung. Die Frage nach einem Menschen angemessenen Verständnis von Gesundheit wird mit der anthropologisch-ethischen Frage nach dem Menschsein und mit der personal-ethischen Frage nach einer gesunden Lebensführung verknüpft. Die Ziele sind wie folgt schlagwortartig zu benennen:

a) Rekonstruktives Ziel: Ethisch-anthropologische Rekonstruktion der impliziten Normativität von Gesundheitsvorstellungen in Diskursen über Gesundheit.

b) Konstruktives Ziel: Entwicklung von Grundlinien eines Menschen angemessenen Gesundheitsverständnisses.

c) Empirisches Untersuchungsziel: Gesundheitsförderlicher und krankheitspräventiver Einfluss von Lebensorientierungen und Lebensführungen.

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